Unterschätze nicht die Wirkung der Stimme

Erfolgsfaktor Stimme: Mit richtigem Stimmtraining kannst du deine Wirkung und Überzeugung erhöhen. Viele Menschen unterschätzen, wie wichtig die Stimme in der zwischenmenschlichen Kommunikation ist. Dabei hat sie im Rahmen dieser Kommunikation einen sehr hohen Stellenwert. Denn mit der Stimme verleihen wir unseren Inhalten Gewicht. Dabei ist es nicht nur wichtig, was wir sagen, sondern auch, wie wir etwas sagen. Erst durch die Betonung erhalten Worte eine gezielte Bedeutung. Mit der Stimme stellen wir eine Beziehung zu unserem Gesprächspartner her. Wir können ihm respektvoll oder aufbrausend begegnen. Wir können ihm Empathie oder Ablehnung signalisieren. Wir können überzeugend oder unsicher wirken.

Rein mechanisch beginnen unsere beiden Stimmbänder zu schwingen, sobald Luft aus den Lungenflügeln durch die Luftröhre in den Hals und dort durch den Kehlkopf strömt. So beeindruckend dieser Vorgang unseres Körpers auch sein mag, er beschreibt noch nicht die Magie, die wir mit unserer Stimme erzeugen können. Denn die menschliche Stimme umfasst sehr viel mehr als nur Worte. Zu ihr gehören neben dem Inhalt auch die Tonalität, Lautstärke, Rhythmus, Klangfarbe, Betonungen, Atmung, persönliche Note…

„Stimmen sind hörbare Stimmungen.“
Andreas Tenzer, Philosoph und Pädagoge

Eine Stimme, richtig eingesetzt, kann Glaubwürdigkeit, Autorität und Kompetenz ausstrahlen. Sie kann fesseln und begeistern. Und sie entscheidet immer in kürzester Zeit über Sympathie oder Ablehnung. Stimmen können für Unternehmen sprechen, sie repräsentieren und somit bewusst deren Corporate Identity sowie die Unternehmenskommunikation prägen.

Deine Stimme ist deine Visitenkarte – wie du deine eigene Stimme bestmöglich einsetzt

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Corona-Jahr 2020 in großen Unternehmen 94 Prozent mehr Online-Meetings als im Vorjahr – dieser Trend hält nach wie vor an. Das zeigt, wie stark sich die Kommunikation zunehmend ins Digitale verlagert und welchen Stellenwert die Stimme dadurch vermehrt bekommt.

Es ist anhand von sozialpsychologischen Untersuchungen erwiesen, dass unsere Wirkung zu 38 Prozent von der Stimme, zu 55 Prozent vom Aussehen und Verhalten und nur zu 7 Prozent vom Inhalt unserer Worte abhängt. Das wird noch immer sehr häufig unterschätzt.

Unsere Stimme ist ein wichtiger Faktor für unseren beruflichen Erfolg. Vermutet man hinter einer Stimme Kompetenz, Durchsetzungsvermögen und Glaubwürdigkeit, hört man ihr gerne zu. Man empfindet Sympathie und schenkt Vertrauen. Doch eine unzureichende Sprechweise kann die besten Inhalte zerstören. Ein professionelles Stimmtraining kann zu mehr Selbstsicherheit, einer höheren Überzeugungskraft, einem stärkeren Auftreten und zu mehr Professionalität bei öffentlichen Auftritten führen.

Tonalität

Wir kommunizieren über zwei Ebenen:

Die Tonalität entscheidet darüber, wie wir unsere Stimme einsetzen und welche Wirkung wir damit erzielen. Denn unsere Sprechweise beeinflusst den Zuhörer oftmals mehr als der Inhalt selbst. Es kommt also darauf an, deine Stimme gezielt einzusetzen, dir ihre Wirkung bewusst zu machen und dir genau zu überlegen, was du bei deinem Zuhörer erreichen möchtest. Dein Stimmklang und die Art, wie du sprichst, entscheidet innerhalb von Sekunden, ob du jemandem sympathisch bist oder nicht. Mit einer kraftlosen Stimme kannst du den Zuhörer langweilen oder seine Aufmerksamkeit verlieren. Mit der Kraft in deiner Stimme dagegen kannst du inhaltlich überzeugen, Menschen motivieren und Zuhörer begeistern. Mit deiner Stimme übermittelst du emotionale Zustände und Stimmungen.

Vieles im Umgang mit unserer Stimme passiert in der alltäglichen Kommunikation unbewusst. Du reagierst aus einem spontanen Gefühl heraus und trägst deine Emotionen der zurückliegenden Tagesereignisse hinein in einen Kontext mit einem neuen Gesprächspartner. Emotionen, die dem geplanten Gesprächsinhalt nicht gerecht werden und u.U. missverständlich wirken. Der Gesprächsverlauf nimmt eine ungewünschte und vor allem unkontrollierte Wendung. Es kommt mitunter zu Missverständnissen und Kommunikationsproblemen.

Beim Thema Kommunikation kommt es bei einem Gespräch, einem Vortrag oder einer Verhandlung immer auf eine gezielte Vorbereitung an. Dabei solltest du nie vergessen, dass die Stimme mit ihrer Tonalität ein ganz entscheidender Botschafter für deine Inhalte ist. Die Inhalte können noch so gut recherchiert und stark in ihrer Argumentation sein. Wenn die Stimme beim Vortrag versagt, verlieren die Inhalte ihr Gewicht. Hinzu kommt der entscheidende Faktor, dass der bewusste Einsatz deiner Stimme zu dir, deinen Inhalten und dem Zielpublikum bzw. Anlass passen sollte. In praxisnahen Medientrainings oder Kommunikationstrainings kann dies optimal trainiert werden.

Stimme trainieren und die Wirkung deiner Stimme verbessern

Auch Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass die Stimme ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Das menschliche Gehirn verarbeitet das gesprochene Wort bereits nach 140 Millisekunden. Die Wahrnehmung anderer Menschen wird maßgeblich von der Stimme beeinflusst, z.B. ob wir jemanden für kompetent halten und ihn oder sie überzeugend und glaubwürdig finden. Über die Stimme bekommen wir auch einen direkten Zugang zu den Gefühlen unseres Gegenübers und können so Qualität und Erfolg der Kommunikation erhöhen. Umso wichtiger, mit unserer Stimme positiv in Erinnerung zu bleiben, Kompetenz zu vermitteln und souverän zu überzeugen.

Wie entsteht die Stimme?

Die Stimme ist ein kompliziertes, komplexes System. Damit ein Ton entsteht, fließt Luft aus den Lungen durch den Kehlkopf in den Rachenraum und durch den Mund nach außen. Während des Sprechens werden unzählige Entscheidungen im Gehirn abgerufen, die den Bauch, die Brust, den Hals und den Kopf einbeziehen. Dabei dienen das Zwerchfell, die Lungen, die Luftröhre und der Brustkorb als Stimmstütze. Die Stimmritze und der Kehlkopf als Vibrato- und Tonerzeuger und Mund- und Nasenhöhle und Rachen als Resonator.

Damit aber unsere Stimme optimal funktioniert, spielen neben einer Vielzahl von Organen auch viele weitere Bereiche eine wichtige Rolle: unsere Körperhaltung, unsere Atmung und unsere mentale Verfassung. Im optimalen Fall ergänzen sich alle Bereiche untereinander und es entsteht ein steuerbarer, wohliger Klang unserer Stimme. Unsere Stimme ist ganz entscheidend abhängig von unserer Körperspannung. Aufrechtes Sitzen oder Stehen erhöhen die Kraft und die Souveränität in unserer Stimme.

Die Wirkung unserer Stimme

Die Wirkung der Stimme trainierenEiner der Schlüsselreize unserer Kommunikation ist die Stimme. Mit ihr teilen wir unser Innerstes mit. An ihr erkennen unsere Zuhörer, ob wir das, was wir sagen auch wirklich meinen. An ihr und an der Art, wie wir sprechen, wird unsere Authentizität gemessen.

Der erste Eindruck zählt bekanntlich – und zu diesem ersten Eindruck gehört unweigerlich auch unsere Stimme. Denn sie gibt vielen Wörtern erst ihren richtigen Sinn. Und gleichzeitig drückt sie ganz direkt unsere Gefühle und Stimmungen aus. Sie ist damit immer ein wichtiger Teil unserer Selbstdarstellung. Sie entscheidet binnen Sekunden über Sympathie oder Ablehnung bei unseren Zuhörern. Mit ihr können wir die Zuhörer für uns gewinnen oder sie von uns abstoßen. An der Stimme erkennen die Zuhörer die Absicht des Sprechers. Geschulte Stimmenwissenschaftler können sogar anhand unserer Stimme erkennen, ob wir lügen oder die Wahrheit sagen.

“Die Stimme ist das zweite Gesicht eines Menschen”, sagte einmal der Schweizer Diplomat Gerard Bauer. Eine tiefe Stimme signalisiert Kompetenz und Gelassenheit. Abwechslungsreiche Betonungen fesseln die Zuhörer und zeigen das eigene Engagement zum Thema. Ist man nervös, verringert sich die Tiefe der Atmung und der Druck im Kehlkopf, so dass die Stimme angespannt und unnatürlich wirkt. Entscheidend für die Wirkung unserer Stimme sind insbesondere das Sprachtempo, die Stimmhöhe und die Lautstärke, mit der wir sprechen. Wenn du in einem großen Auditorium reden möchtest, ist es besonders wichtig, mit einer ruhigen Stimme zu sprechen (Stichwort: Lampenfieber) und gezielt Betonungen zu setzen.

Stimmfunktion: Drei Ebenen der Stimme

Amon (2004) unterscheidet drei Ebenen der Stimme

Linguistische Ebene

Deutung der Absicht eines Sprechers. Laute bzw. Buchstaben. Die Betonung ist entscheidend bezüglich der Aufnahme einer Aussage beim Zuhörer. Intonation und Tonhöhe spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Monotone Sprachmelodie – negative Wirkung. Tonhöhenveränderungen – positive Wirkung. Die linguistische Ebene ergänzt die inhaltliche Ebene.

Paralinguistische Ebene

Ausdruck von Gefühlen und Stimmungen. Unterschiedliche Mittel: laut oder leise, schnell oder langsam, hoch oder tief. Aufbau einer Beziehungsebene mit dem Zuhörer. Dadurch werden Inhalte besser verstanden.

Extralinguistische Ebene

Individuelle Stimmeigenschaften eines Menschen (z.B. näseln, Dialekt, Frauen- bzw. Männerstimme). Bei fremden Gesprächspartnern beeinflusst diese Ebene unweigerlich unsere Grundhaltung dem Sprecher gegenüber. Es besteht die Gefahr von Vorurteilen!

Deine Stimme sendet Signale: Überzeuge mit deiner Stimme

Mit unserer Stimme verleihen wir bestimmten Elementen unserer Inhalte eine besondere Bedeutung. Wir betonen bestimmte Wörter und ändern damit den Sinn von Sätzen oder geben ihnen eine andere Bedeutung. In allem, was wir sagen, sollte unsere Stimme das widerspiegeln, was wir inhaltlich sagen möchten. Sind Stimme und Inhalt nicht deckungsgleich, verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit. Unsere Stimme führt beim Zuhörer immer zu Rückschlüssen auf unsere Persönlichkeit.

Unsere Stimme gibt Aufschluss darüber, ob wir kompetent, freundlich, schüchtern oder extrovertiert sind. Jede Stimme ist einzigartig und nicht zu 100 Prozent kopierbar. Sie ist durch Training veränderbar in ihrer Kraft und ihrer Intensität, aber sie bleibt ein ganz persönliches Merkmal mit einem hohen Wiedererkennungswert.

Die Stimme und unsere Persönlichkeit

Unsere Stimme drückt sehr viel über uns aus, sie ist der Spiegel unserer Persönlichkeit. Sie zeigt, wie eine Person ist und welche Eigenschaften sie hat. Zuhörer schließen allein aufgrund der Stimme und ihrer Klangfarbe auf bestimmte Charakterzüge. Auch wenn sie ihr Gegenüber nicht sehen (z.B. am Telefon) entsteht ein klares Bild.

Trainiert man eine Stimme hin zu mehr Professionalität und Authentizität, so kann diese Erfahrung bei dieser Person auch grundsätzliche, positive Veränderungen der Persönlichkeit bewirken. Diese Veränderungen betreffen in erster Linie das Auftreten in der Öffentlichkeit, insbesondere hinsichtlich des Selbstbewusstseins und dem Auftreten gegenüber Gesprächspartnern. Somit kann sich auch die äußere Wahrnehmung dieser Person durch andere grundsätzlich verändern.

Ob bei Präsentation, Vortrag, in Verhandlungen, bei der Moderation oder einem wichtigen Pitch: Nutze dein Stimmpotenzial!

Mit Stimmtraining zum Erfolg

10 Tipps, wie du die Wirkung deiner Stimme beeinflussen kannst

  • Sitze oder stehe aufrecht und entspannt, wenn du sprichst. Lasse die Schultern locker fallen. Stehe mit beiden Füßen fest auf dem Boden.

  • Sprich mit Kraft, aber nicht zu laut.

  • Atme ruhig und regelmäßig. Ausreichend Luft führt zur vollen Entfaltung deiner Stimme.

  • Intoniere deutlich und auf den Punkt.

  • Betone deine Sätze abwechslungsreich.

  • Variiere deine Tonhöhe.

  • Verändere deine Sprachgeschwindigkeit.

  • Gönne deiner Stimme Pausen. Das erhöht die Aufmerksamkeit.

  • Artikuliere deutlich und bewusst.

  • Finde deinen eigenen Stil.

Mit den richtigen Stimmübungen, effektiven Atemtechniken und einem praxisnahmen Kommunikationstraining erhöhst du sicher und effektiv deine Wirkung.

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Von Published On: November 11th, 2022Kategorien: Kommunikationstraining, Medientraining, Rhetorik

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